Die Nacht des freiburger Sportpreis 2020-21

Der Eishockeyspieler Killian Mottet ist zum Freiburger Sportler des Jahres 2021 gewählt worden. Er setzte sich vor Mountainbiker Yannick Baechler und Skitouren-Wettkämpfer Rémi Bonnet durch.

Insgeheim wäre Killian Mottet am Mittwochabend wohl lieber in Finnland gewesen, hätte seine Auszeichnung zum Freiburger Sportler des Jahres 2021 aus der Ferne entgegengenommen und sich – wie schon mancher Gewinner vor ihm – per Video beim Galaabend zugeschaltet. Doch anstatt im hohen Norden als Teil der Schweizer Eishockeymannschaft für Furore zu sorgen, muss der 31-Jährige von zu Hause aus die Siege der Rot-Weissen mitverfolgen. Als einer der Letzten fiel der Gottéron-Stürmer kurz vor WM-Start aus dem Nati-Kader. Letztes Jahr war es noch anders gewesen. Da war Mottet von Nationaltrainer Patrick Fischer für die Weltmeisterschaft in Riga aufgeboten worden. Zum ersten Mal. Mit 30 Jahren. Für diesen Exploit wurde der Freiburger am Mittwochabend mit dem kantonalen Sportpreis ausgezeichnet.

«Es gibt so viele gute Sportler im Kanton Freiburg, dass ausgerechnet ich gewonnen habe, ist grandios», freute sich der Nachfolger der Skirennfahrerin Noémie Kolly. «Der letzte Eishockeyspieler, der den Sportpreis gewonnen hat, war Julien Sprunger. Er ist nicht irgendjemand – sein Nachfolger zu sein, ist eine grosse Ehre.»

In eine neue sportliche Dimension vorgestossen

Die WM in Lettland war indes nur einer von Mottets zahlreichen Höhepunkten in einem aussergewöhnlichen 2021 und folglich nur einer der Gründe, weshalb er die Wahl mit 37,3 Prozent aller Stimmen gewonnen hat. Tatsächlich ist der Flügelstürmer im letzten Jahr in neue sportliche Dimensionen vorgestossen. Das gilt nicht nur für seine Rolle in der Schweizer Nationalmannschaft, sondern auch für seine Auftritte bei Gottéron. Zeitweise war der Kurvenartist aus Belfaux dank seiner tollen Schusstechnik der beste Skorer der National League; am Ende belegte er Rang sechs. Seine 23 Tore und 25 Assists reichten allemal, um erstmals in seiner Karriere die Regular Season als Topskorer der Drachen abzuschliessen.

Kein One-Hit-Wonder

Dass Mottet durchaus ein verdienter Sportpreisgewinner und nicht bloss ein One-Hit-Wonder ist, das nach der Auszeichnung von der sportlichen Bildfläche verschwindet, hat er in den bisherigen knapp fünf Monaten des 2022 eindrücklich bestätigt. Mit 53 Skorerpunkten (23 Tore/30 Assists) war er Ende Saison bei Gottéron hinter Chris DiDomenico (20/49) zweiproduktivster Spieler, er hatte die Freiburger mit dem 5:4 nach Verlängerung in Spiel 5 gegen Lausanne in die Halbfinals geschossen, und er spielte mit der Schweizer Nationalmannschaft an den Olympischen Spielen. Für seinen Auftritt in Peking war Mottet denn auch schon vor der eigentlichen Preisverleihung gewürdigt worden. Auf die Frage des Moderators, was ihn bei Olympia am meisten beeindruckt hatte, nannte der 31-Jährige die Eröffnungszeremonie. «Das war ein einmaliges Erlebnis, zumindest wohl für mich ist. Das einmal hautnah miterlebt haben zu dürfen, war grandios.»

Platz 2 für Baechler

Noch keine Olympischen Spiele hat Yannick Baechler erlebt – und er wird es auch in nächster Zeit nicht. Seine Sportart, das Mountainbike Downhill, ist im Gegensatz zum Cross Country nicht olympisch. Das hat den 21-Jährigen allerdings nicht daran gehindert, mit 24,8 Prozent der Stimmen hinter Mottet den zweiten Platz zu belegen. «Ich hätte es mir nicht mal zu erträumen gewagt, so weit vorne platziert zu sein», freute sich der Giffersner. «Hinter Killian Mottet die Nummer zwei zu sein, ist sehr speziell für mich. Ich spielte selber sieben Jahre bei Gottéron, bevor ich mit Downhill angefangen habe, und habe schon früher zu ihm aufgeschaut.» Er sei noch heute ein grosser Gottéron-Fan und gehe regelmässig an die Matches, so der Sensler.»

Der zweite Platz ist für Baechler die Belohnung dafür, dass kein anderer Schweizer mit dem Mountainbike so schnell den Berg hinunterrast wie er, so furchtlos über Stock und Stein und Wurzeln brettert, so spektakulär über Schanzen springt und so halsbrecherisch zwischen Bäumen hindurch kurvt. So rasant wie der aktuelle Schweizer Downhill-Meister die Pisten hinunterfährt, so rasant geht es mit seiner Karriere aufwärts. Obwohl er erst im August 2020 sein Debüt bei der Elite gegeben hatte, war er schon letzte Saison bei internationalen Wettkämpfen regelmässig der schnellste Schweizer Downhiller.

Rang drei ging an den Skitouren-Wettkämpfer Rémi Bonnet (18,2 Prozent), den Weltmeister im Vertical Race. Dahinter folgten Basketballerin Marielle Giroud und Fussballer Ezgjan Alioski.

Neben dem Einzelpreis wurden auch der Verdienstpreis und der Kollektivpreis verliehen. Ersterer ging an René Fasel für seine Verdienste für das Eishockey. Der 72-Jährige war 27 Jahre Präsident des internationalen Eishockey-Verbands (IIHF) und langjähriges Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees gewesen. Im vergangenen September war der Freiburger als IIHF-Präsident zurückgetreten.

Der Verdienstpreis war Fasel Ende November zugesprochen worden, bei der offiziellen Übergabe im Forum Freiburg war er am Mittwochabend indes nicht zugegen. Ob ihm der Preis auch heute noch verliehen würde, ist mehr als fraglich. René Fasel hat mit Aussagen über den Krieg in der Ukraine für Kontroversen gesorgt und ist auch wegen seiner Russland-freundlichen Haltung immer stärker in Kritik geraten. Der Freiburger soll nach wie vor enge Kontakte zum russischen Eishockey-Verband pflegen und in der KHL als Berater fungieren. Der Eishockey-Weltverband hat deswegen seine Ethikkommission beauftragt, eine Untersuchung gegen Fasel einzuleiten.

Fasel hat es zudem versäumt, sich klar von seinem Freund Putin zu distanzieren. Das kommt auch in Finnland, wo momentan die Eishockey-WM ausgetragen wird, nicht gut an. Der finnische Verband hat dem IIHF-Ehrenpräsidenten, der automatisch eine Einladung zur WM erhalten hat, geraten, sich eine Reise nach Finnland gut zu überlegen.

Schweizer Nati fest in Freiburger Füssen

Der Kollektiv-Preis wurde der Frauen-Nati im Futnet – auch Fussballtennis genannt – verliehen. Das Nationalteam besteht aus den Freiburgerinnen Virginie Khuu, Corinne Suard, Isaline Gobet und Valerie Bielmann. Sie gewannen im vergangenen Oktober im spanischen Burriana den Vizeweltmeistertitel im Doppel und Triple.

Anders als der Einzelpreis werden der Verdienstpreis und der Kollektivpreis nicht vom Publikum, sondern von der Kommission des Freiburger Sportpreises vergeben. Die Kommission besteht aus Vertretern der Zeitungen «Freiburger Nachrichten», «La Liberté» und «La Gruyère», von Radio Freiburg/Fribourg, von La Télé, des Freiburger Verbands für Sport, des Freiburger Sportjournalisten-Verbands sowie der Paulusdruckerei.

Michel Spicher/Freiburger Nachrichten

Killian Mottet hat den Freiburger Sportpreis gewonnen